Wie kommen die Figuren in meinen Thrillern zu ihren Namen?

Wenn ich meine Thriller schreibe, muss ich mir eine Menge Namen ausdenken, weil meine Heldin Cori Stein verschiedene Länder bereist und deshalb viele Menschen trifft. Solange ich die Geschichte plotte, also über die Handlung nachdenke, benutze ich häufig einfach Bezeichnungen wie „der Oberböse“ oder XY oder ((?)). Aber richtig schreiben kann ich über eine Person erst, wenn sie einen Namen hat.

Ich habe dabei eine gewisse Tendenz zu kurzen (Vor) Namen, weil ich dann weniger tippen muss 😉 Beispiel: Cori und Leo. Außerdem ist es wichtig, dass der Name einfach auszusprechen ist, denn beim Lesen sprechen wir oft sozusagen in Gedanken mit. Ein Name wie Wojciechowski wäre da ein Stolperstein. Wenn ich selbst einen Auszug aus dem Buch bei einer Lesung vorstelle, möchte ich es natürlich auch nicht unnötig schwerhaben.

Manchmal fällt mir ein Name auf Anhieb ein, wie der von Cori Stein, der Heldin meiner Thriller, samt seiner längeren Form Corinna Edelstein. In ganz seltenen Fällen grübele ich lange nach und ändere einen Namen immer wieder. Das war bei dem Vornamen von Leos Vater der Fall. In den ersten Versionen hieß er Francis, dann erwog ich Basil, ersetzte es durch Cecil, um mich schließlich für Cedric zu entscheiden. Wie ihr vielleicht bemerkt habt, geht es dabei um Band 2, Das Phönix-Vermächtnis.

Über zwei Namen aus diesem Buch bin ich recht glücklich. Erstens las ich irgendwo etwas über jemanden, der den Nachnamen Goodbody trug. Ich machte mir eine Notiz, denn mir war sofort klar, dass dies der ideale Name für die Assistentin des MI6-Chefs wäre. (Eine Entsprechung zu Miss Moneypenny in den James-Bond-Romanen, jedoch natürlich für unsere heutige, emanzipiertere Zeit.) In Bezug auf den betreffenden Chef selbst spielte ich mit verschiedenen Möglichkeiten, bis ich auf Mortimer Bartholomew kam, was, wie ich finde, sowohl britisch als auch pompös genug klingt.

Ausländische Namen sind überhaupt ein Kapitel für sich. So musste ich in Band 1 bedenken, dass man im Chinesischen zuerst den Nachnamen und dann den Vornamen nennt und schreibt. Im Russischen (Band 3) wiederum haben die weiblichen Nachnamen eine andere Änderung als die männlichen (Frau Tschechowa, aber Herr Tschechow). Im Moment beschäftigt mich, dass ein Vorname in einer Sprache männlich und in einer anderen weiblich sein kann. Beispiel: Andrea ist in Italien ein Männer- und bei uns ein Frauenname. Vielleicht lässt sich das für eine witzige Verwechslung nutzen?

Manchmal, aber nicht immer, schaue ich auch nach, was ein Vorname bedeutet. In Band 1, Ohne Skrupel, lasse ich einen Nigerianer sagen:

Namen sind in Nigeria wichtig. Es kommt auf ihre Bedeutung an. Man sagt, ein guter Name ist besser als Geld. Manche glauben auch, dass der Name das Schicksal bestimmt.

Was Cori zu folgender Überlegung veranlasst:

[Ihre Eltern] hatten einfach nur die Tatsache festgestellt: Corinna = Mädchen. Weniger Freude und Hoffnung konnte man mit einem Namen kaum ausdrücken.

Erst als ich dieses Kapitel schrieb, hatte ich nachgeschaut, was Corinna bedeutet. Was für ein Glücksfall, dass ich ausgerechnet diesen Namen gewählt hatte. Nie wäre ich selbst auf dieses schöne Detail gekommen. Meistens ist die Bedeutung der Namen in meinen Büchern weniger wichtig. Eine Ausnahme ist Sandra Tessitore, ebenfalls in Band 1.

Was Autoren vermeiden sollten, ist, zwei Figuren denselben Vornamen zu geben. Ich führe jetzt bei jedem Buch eine Liste, damit mir das nicht passiert. In einer frühen Fassung von Das Phönix-Vermächtnis gab es nämlich, ohne dass es mir zunächst aufgefallen war, zwei Aidans. Und die Leser hätte es unnötig verwirrt, erst vom Tod des einen zu erfahren und dann einer weiteren Nebenfigur mit demselben Vornamen zu begegnen, die offensichtlich quicklebendig war.

Bevor ich begann, diesen Post zu schreiben (beziehungsweise die ursprüngliche Version auf meiner Facebookseite), war mir gar nicht bewusst, dass sich über die Namen in meinen Büchern so viel sagen lässt 😉 Und jetzt denke ich wieder über Namen nach, nämlich für Band 4. Das war auch der Auslöser für diesen Beitrag. Einige habe ich schon, zum Beispiel die der wichtigsten „Bösen“. Aber mir fehlen noch Namen für verschiedene Menschen in Israel und weiteren Ländern, die Cori besuchen soll.

Das bringt mich zu meinem letzten Punkt im Hinblick darauf, wie ich Namen auswähle. Ich suche entweder solche, die sehr häufig sind, oder solche, die ich mit Google nicht finden kann. Dadurch möchte ich Rücksicht auf Leser nehmen, die eventuell denselben Namen tragen wie zum Beispiel Coris diabolische Gegner. Entweder sind sie es schon gewöhnt, dass noch mehr Menschen mit denselben Namen auf der Erde herumspazieren, und zwar eine ganze Menge. Oder der Name ist einmalig, so dass sich niemand angesprochen fühlen kann.

Manche Autoren verlosen die Chance, dass entweder eine Nebenfigur den Namen des Gewinners bekommt oder dass der Gewinner den Namen für eine Figur aussuchen darf. Das habe ich noch nicht gemacht. Es ist aber keine schlechte Idee, finde ich.

Wie seht ihr das als Leser? Sind euch die Namen der Figuren wichtig? Welche Namen aus meinen Thrillern oder auch aus anderen Büchern gefallen euch besonders gut? Vielleicht mögt ihr bei Facebook in den Kommentaren etwas dazu schreiben? Ich bin gespannt 🙂

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