Mauern und Zäune

Während ich auf Netflix den Dokumentarfilm East Jerusalem West Jerusalem* schaute, um für den vierten Cori-Stein-Thriller zu recherchieren, fiel mir etwas auf: Außer im ersten Band dieser Reihe spielen Mauern und/oder Zäune offenbar häufig eine Rolle in meinen Thrillern: in Belfast und in gewisser Weise auch im geteilten Zypern in Das Phönix-Vermächtnis, um die russische geschlossene Stadt Nowouralsk herum in Eiskalt in Moskau und jetzt bei Band 4 in Jerusalem/Israel. Zu Letzterem gibt der folgende Artikel recht gut wieder, was ich auch bei meiner Reise dort erlebt und von beiden Seiten gehört sowie inzwischen darüber hinaus recherchiert habe: Die Mauern zwischen Israel und Palästina.

Offenbar gibt es auf der Welt mehr Mauern, als mir vor meinen Recherchen bewusst war. Was ich noch herausgefunden habe: In Belfast (auf beiden Seiten), den russischen geschlossenen Städten und auf der israelischen (aber nicht der palästinensischen) Seite möchten viele die Mauern behalten, weil sie sich so sicherer fühlen.

Ich bin alt genug, dass ich bei mehreren Berlinbesuchen die Mauer dort mit Entsetzen und, ja, auch mit Abscheu betrachten konnte. Deshalb fand ich es merkwürdig, als ich vor einigen Jahren davon erfuhr, dass es in Belfast etwas relativ Ähnliches gibt — mit dem Einverständnis vieler Einwohner. Das hat mich so beschäftigt, dass es schließlich ein Ausgangspunkt für die Geschichte in Das Phönix-Vermächtnis wurde.

Natürlich sollte die Berliner Mauer die Menschen im Land halten, während sie in Belfast, Israel und den geschlossenen Städten heute eher scheinbar oder tatsächlich gefährliche Personen draußen halten sollen. Bei den russischen Städten diente die Abschottung nach außen ursprünglich der Geheimhaltung militärischer Forschung, denn dort wurden zum Beispiel Nuklearwaffen entwickelt. Im Fall von Belfast und Israel sollen die Mauern vor Anschlägen schützen, während manche Bewohner der geschlossenen Städte anscheinend eher eine diffuse Angst vor Kriminalität verspüren.

Als Thrillerautorin finde ich dieses Phänomen spannend. Als Mensch stimmt es mich eher traurig.

Die beiden Fotos in diesem Post habe ich auf der Fahrt nach Bethlehem aus dem Bus heraus gemacht. Die Mauer trennt Israel vom palästinensichen Gebiet. Allerdings wird sie vermutlich keine direkte Rolle in der Geschichte von Band 4 spielen, sondern eher einen Hintergrund bilden und zur Atmosphäre beitragen.

*Ein anderer, sehr empfehlenswerter Dokumentarfilm zum selben Thema ist Disturbing the Peace, ebenfalls z. B. bei Netflix zu sehen.

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