Das Phönix-Vermächtnis – Bilder, Inspirationen, Quellen (Teil 5)

DAS PHONIX-VERMACHTNIS - 500Ein Teil meines aktuellen Thrillers Das Phönix-Vermächtnis spielt in Nordirland. Dieser Post dreht sich um die Hintergründe der Geschehnisse, die ich in dem Roman beschreibe, und die sind teilweise hochaktuell.

Frühere Posts aus dieser Reihe mit Hintergrundinformationen findet ihr in der Rubrik Das Phönix-Vermächtnis. Weitere werden im Laufe der Zeit folgen.

Jetzt aber, wie angekündigt, einige Hinweise, was mich zu einzelnen Teilen der Geschichte inspiriert hat (es geht in etwa um die Kapitel 19 bis 25):

Die Grenze zwischen Irland und Nordirland

(In Kapitel 19, wir erinnern uns: Cori und ihre Begleiter sind auf dem Weg von Dublin nach Belfast)

„Moment“, sagte sie [Cori ]nach etwa einer halben Stunde, „die Schilder mit der Geschwindigkeitsbegrenzung sehen plötzlich ganz anders aus.“

„Meilen pro Stunde“, sagte Leo. „Willkommen in Nordirland.“

„Aber wo war denn die Grenze? Wieso habe ich die nicht mitbekommen?“

Gabe, der fuhr, schließlich war es sein Auto, blickte weiter geradeaus, sagte aber: „Früher war die Grenze nicht zu übersehen und die Posten waren befestigt wie Hochsicherheitsgefängnisse. Aber das hat sich radikal geändert. Jetzt merkst du nur an den Angaben in Meilen statt Kilometern, dass du in Nordirland bist.“

„Oder daran, dass man hier mit Pfund bezahlt“, ergänzte Ailey.

Damit, dass man die Grenze zwischen Irland und Nordirland (Großbritannien) praktisch gar nicht wahrnehmen kann, dürfte es als Folge des Brexits vermutlich (?) bald(?) vorbei sein. Immerhin verliefe dann dort eine Außengrenze der EU. Einer der Gründe, nehme ich an, warum die meisten Nordiren gegen den Austritt gestimmt haben.

Wer mehr darüber wissen möchte. Der nordirische Krimiautor Adrian McKinty hat einen Post darüber geschrieben: Brexit and Northern Ireland.

Hier die nächste Passage aus dem Buch (ihr findet sie in Kapitel 21), die einen weiteren, leider immer noch aktuellen Aspekt beleuchtet:

Strafaktionen katholischer bzw. republikanischer nordirischer Paramilitärs

„Moment“, sagte Cori und hielt ihn am Ärmel fest. Sie stand ebenfalls auf und zischte Ron ins Ohr: „Setz dich wieder hin. Und wenn du nicht willst, dass ich laut werde, gib mir endlich den Namen. Und mit laut werden meine ich, dass ich mich überschwänglich bei dir für die vielen Informationen bedanke, die du uns gegeben hast. Über katholische Terroristen, den Irish Path und dessen Verbrechen, Liam Burke und so weiter.“

Ron wurde blass. Er setzte sich. „Cormac O’Sullivan“, sagte er leise. „Ich kenne ihn nur als ehemaligen Fußballspieler.“

„Zufrieden?“, fragte er giftig.

Cori nickte. „Klar. Das ist alles, was ich wissen wollte.“

Ron stand auf, zog seine Jacke an und beugte sich zu Gabe hinunter. „Ruf mich nie mehr an. Du bist für mich gestorben.“

„Meine Güte“, sagte Cori. Dass Gabe jetzt mit seinem Kollegen Probleme hatte, war schon blöd. Aber wo gehobelt wurde, fielen Späne. Jedenfalls hatten sie einen Namen erfahren, den sie bereits in die Internetsuche ihres Smartphones eintippte. „Der fängt sich schon wieder“, sagte sie mit einem gezwungenen Lächeln zu Gabe.

Der hatte endlich seine Sprachlosigkeit überwunden. „Bist du von allen guten Geistern verlassen?“, zischte er. „Weißt du, dass so was das Todesurteil bedeuten kann, wenn Ron als Spitzel gilt? Oder, wenn er Glück hat, zerschießen sie ihm ‚nur‘ die Knie.“ Bisher hatte er geflüstert, doch jetzt brach es aus ihm heraus: „Gott, du bist noch genauso gemeingefährlich wie früher. Nur die Story im Blick.“

„Also erst einmal: Ich hätte das ja nicht getan. Das solltest du eigentlich wissen.“ Cori schaute Gabe kühl an. „Zweitens: Findest du es etwa nicht wichtig, einen Attentäter dingfest zu machen, der unzählige Menschenleben gefährdet hat und das vielleicht wieder tun wird? Der Bursche, den ich suche, ist schließlich kein Chorknabe. Und drittens bist du es, der mit seinem Theater die Aufmerksamkeit auf uns zieht.“

Und hier die Realität, nämlich jemand, der vor Kurzem laut Polizei in Blefast Opfer einer so genannten Strafaktion einer republikanischen Terrorgruppe wurde.

Der Guardian schrieb u. a.

Michael McGibbon, 33, who was married with a young family, died in hospital overnight after being found wounded in the republican Ardoyne district of the city. He was shot three times in the leg … Sinn Féin’s Gerry Kelly blamed an “armed gang” for the murder – a common euphemism for one of the dissident republican terror groups. (Und in einer Bildunterschrift) Police believe the man may have been the victim of a so-called paramilitary punishment shooting.

Der Belfast Telegraf nennt weitere Details:

Murdered taxi driver Michael McGibbon may have been targeted because dissidents claimed he „made an unfavourable comment“ to one of their daughters.

Detectives are investigating claims that members of the terror group agreed to „punish“ the father-of-four after they accused him of making the remark to the girl while he was driving her.

Senior dissident republicans had approached him on Friday afternoon as he collected his children from school and ordered him to go to the alley at Butler Place at 10pm to be shot or face exile.

Mr McGibbon, who had no criminal record and was not known to police, attended the arranged punishment shooting.

He was shot three times. One of the bullets struck an artery in his thigh and he bled to death.

Mr McGibbon’s killing has reignited concerns over the level of control paramilitaries still have in some communities.

Ergänzung vom 8.4.2017: Und das Problem belibt weiter bestehen, wie dieser aktuelle Artikel zeigt: How Northern Ireland is battling the persistent threat of violence. Etwa in der Mitte des Texts sind eine ganze Reihe von Angriffen durch solche Extremisten aufgezählt.

Die so genannten Bonfires am Abend des 11. Juli in Nordirland

Im Moment (ich schreibe dies am 30. Juni 2016)  nähern wir uns schleißlich einem für Nordirland bedeutsamen Datum im Juli. Was ich damit meine? Eine weitere Passage aus dem 19. Kapitel erklärt es:

Weiter vorne sah sie auf der rechten Seite ein mehr als zehn Meter hohes Gebilde aufragen, das sich in Stufen nach oben verjüngend auf einem Parkplatz auftürmte. Darauf kletterten geschickt mehrere Jugendliche herum. Jetzt erkannte Cori, dass der gesamte Aufbau aus Holzpaletten bestand, wie sie sie aus dem Supermarkt kannte.

„Was ist das denn?“, fragte sie Gabe.

„Das ist für ein Feuer. Zur Feier des 11. Julis“, sagte er. „Du weißt schon, die Schlacht am Boyne, wo der protestantische König Wilhelm von Oranien 1690 den katholischen Jakob den Zweiten besiegt hat, der in der Glorious Revolution gestürzt worden war.“

„Krass“, sagte Ailey. „Ich hatte mir die Feuer viel kleiner vorgestellt.“

„Jedenfalls ist der 12. Juli deshalb ein Feiertag in Nordirland“, fuhr Gabe fort.

„Ach, ist das der Tag, wo der Oranier-Orden, oder wie die heißen, durch die Straßen von Belfast marschiert?“, fragte Cori. Das hatte sie schon im Fernsehen gesehen.

„Genau, nur dass die Protestanten das in ganz Nordirland feiern, unter anderem mit solchen riesigen Feuern in der Nacht vom 11. zum 12. Juli“, sagte Gabe.

Inzwischen fuhren sie dicht an dem kegelförmigen Holzturm vorbei und Cori konnte Details erkennen. Sie konnte sich für Feuer, gleich welcher Art, nicht begeistern, aber etwas erregte ihre Aufmerksamkeit.

„Sind das Wahlplakate?“, wollte sie wissen und Ailey rief gleichzeitig freudig: „Oh, da ist unsere, also die irische Flagge.“

„Ja, die verbrennen sie besonders gerne“, bemerkte Gabe trocken. „Aber sie nehmen offenbar auch Plakate von Sinn Féin-Kandidaten.“

Das Ausmaß des Hasses, das aus all dem sprach, ließ die vier verstummen.

Die Paraden kannte ich schon aus den Fernsehnachrichten. Doch über die riesigen, so genannten Bonfires, die die Protestanten überall in Nordirland aufbauen und anzünden, wusste ich lange Zeit nichts. So richtig habe ich das ganze Ausmaß erst bei der Recherche für das Buch begriffen.

Unter anderem haben mich die Fotos aus diesem Artikel inspiriert, aber auch viele Videos, die man bei YouTube findet, wie dieses hier und dieser Beitrag von Vice News. Aufschlussreich fand ich auch diesen Artikel im Guardian: Belfast bonfire preparations force evacuation of homes. Das heißt, von diesen Feuern geht eine echte Gefahr für die Anwohner aus.

Die Peace Lines/Friedensmauern, die Belfast durchziehen

Eine weitere Eigenheit Belfasts sind die so genannten Peace Lines oder Peace Walls, die katholische von protestantischen Vierteln trennen. Sie spielen in der Geschichte ebenfalls einen größere Rolle. Hier eine entsprechende Passage:

… eine graffitiverzierte Steinmauer mit einem Drahtzaun oben drauf, insgesamt sicher sieben oder acht Meter hoch. Da sie sich in einem katholischen Viertel befanden, konnte das nur bedeuten, dass auf der anderen Seite Protestanten wohnten.

Cori musste an etwas denken, das David, der Taxifahrer, auf ihre Fragen geantwortet hatte, als sie am Morgen ein ähnliches Gebilde gesehen hatten. „Viele Menschen finden diese Zäune gut. Als Schutz vor Steinen und Farbbomben, aber auch vor Schüssen und Molotov-Cocktails. Sie wollen gar nicht, dass sie verschwinden.“

„Und du?“, hatte sie gefragt.

„Ich? Ich wohne ja nicht hier”, hatte er achselzuckend geantwortet. „Und sie sind eine Touristenattraktion.“ Also gut für sein Geschäft.

Ein „notwendiges Übel“ hatte er die Mauern und Zäune der so genannten Peace Lines genannt.

Hier ein neuerer Artikel über die Realität: Will Belfast ever have a Berlin Wall moment and tear down its ‚peace walls‘? Für die, die lieber auf Deutsch lesen,  eine Story aus dem National Geographic: Die Mauern von Belfast.

Wer lieber Videos schaut, bitte sehr: Ein recht neuer Beitrag (entstanden nach dem Erscheinen meines Buchs) von der Deutschen Welle:

Vor wenigen Tagen erst hat außerdem Deutschlandradio darüber berichtet: Nordirland — Die Mauer in den Köpfen. Der Link führt zu einem ausführlichen Artikel mit einigen schönen Fotos.

Bei Fotos fällt mir ein: Ich habe noch gar nichts zu den Murals geschrieben, den Bildern, die ganze Häuserwände oder eben auch die Peace Walls verzieren. Aber ich denke, für heute sollte es erst einmal reichen. Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig für Nordirland interessieren, dessen Lage immer noch nicht so einfach ist. Natürlich, darauf möchte ich zum Schluss gerne hinweisen, habe ich kein ausgewogenes Bild von Land und Leuten gezeichnet, sondern eher die negativen Aspekte geschildert, weil die mehr für einen Thriller hergeben.

Sollte jemand konkrete Fragen zu Das Phönix-Vermächtnis haben (oder zum Vorgänger Ohne Skrupel), beantworte ich die natürlich gerne, zum Beispiel bei Facebook oder Google+ oder per E-Mail (s. Impressum).

Fortsetzung folgt …

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