Sneak Peek: Das 1. Kapitel des 2. Cori-Stein-Thrillers (Teil 2)

Kapitel1kleinHeute folgt wie angekündigt der zweite Teil des ersten Kapitels des zweiten Cori-Stein-Thrillers. Warum ich den Titel meines neuen Romans nicht nenne? Weil zurzeit noch drei zur Auswahl stehen. Das Manuskript ist seit gestern bei den Beta-Lesern. Vielleicht können sie mir bei der der Entscheidung helfen.

Jetzt aber viel Spaß beim Lesen!

Kapitel 1 (Teil 2)

„Moment“, sagte Cori und schoss an seiner Hand vorbei mehrere Fotos mit ihrem iPhone. Hoffentlich reichte das Licht. Sie schob Leo zur Seite, zog die Plastiktüte an einer Seite herunter, so dass das Sonnenlicht auf die Bombe fiel. Klick. Klick. Jetzt Halbschatten, damit das Display besser zu erkennen war. So viel Zeit musste sein. Ihre Reporterinstinkte liefen auf Autopilot.

Leo wusste, dass es am besten war und letztlich Zeit sparte, sie ohne große Diskussionen gewähren zu lassen.

6:05, 6:04.

Cori richtete sich auf. „Entschärfen?“, fragte sie leise.

Leo schüttelte den Kopf. „Wenn ich mehr Zeit hätte, vielleicht. Ich kann nicht mal erkennen, womit ich es genau zu tun habe. Ich denke, das ist Absicht, siehst du die Farben der Drähte? Da macht sich jemand über uns lustig.“

Was sie vor sich hatten, war ein Kasten, in den ein weißer und ein rosafarbener Draht von einer Digitalanzeige aus hineinführten und der etwas Rotes enthielt. Es konnte sich um einen Dumme-Jungen-Streich handeln. Oder der Kasten enthielt ein Kilo Sprengstoff oder mehr und würde in wenigen Minuten alles in seiner Umgebung in Schutt und Asche legen.

5:56.

Cori schaute sich um. Sie befanden sich mitten in London. „Die Zeit reicht auch nicht, um die Bombe an einen einsamen Ort zu bringen.“

Leo nickte.

Er stellte 5:50 Minuten auf seiner Jaeger-LeCoultre-Armbanduhr ein und ließ die Stoppuhr rückwärts zählen. Cori tat das Gleiche auf ihrem Smartphone. Dabei zog sie drei Sekunden von dem Wert ab, den das Display der Bombe anzeigte. Zur Sicherheit. In drei Sekunden konnte sie ziemlich weit laufen.

Leo zeigte auf die umliegenden Häuser. „Zum Glück ist heute Samstag und viele dieser Gebäude enthalten Büros.“

„Am stärksten gefährdet sind ohnehin die Menschen in unmittelbarer Nähe zu dem Ding“, fuhr er fort. „Unsere beste Chance ist, die Umgebung zu räumen. Los. Ich da drinnen.“ Er zeigte auf das Café. „Du hier drau-“

„Bomb. There’s a bomb“, brüllte Cori. „Run!“ Sie war dankbar, dass sich im Englischen vieles prägnanter sagen ließ als auf Deutsch.

„Die Bombe kann jeden Moment explodieren“, rief sie für diejenigen unter den Umsitzenden, die sich nicht gleich bewegten und sie nur ungläubig anstarrten. „Run!“

Aus dem Inneren des Gebäudes ertönte Leos Stimme mit derselben Dringlichkeit. Gerade rief er: „Was heißt ‚Der Hintereingang ist abgeschlossen‘?“

Diese Idioten.

Sie durfte nicht vergessen, alles zu fotografieren.

Die ersten Menschen rannten schon die Straße entlang. Cori sah, wie manche von ihnen andere Passanten warnten.

„Go, go“, brüllte sie das japanische Pärchen an, das zu der Tüte mit der Bombe hinüberstarrte. Beide hatten ihre Smartphones gezückt – und filmten.

„Welchen Teil von Bombe versteht ihr nicht?“, fuhr Cori sie an. Unglaublich die beiden.

Inzwischen strömten Menschen aus dem Gebäude heraus. Leos Warnungen hatten gewirkt.

Auch von den Flüchtenden machte Cori Fotos.

Bis auf einen Tisch waren auf der Terrasse alle verlassen.

Von links, aus der Richtung der nächsten Kreuzung, näherte sich im Laufschritt ein stämmiger uniformierter Polizist.

Cori winkte ihn heran, öffnete die Tüte und ließ ihn hineinschauen.

3:46.

„Sie müssen den Verkehr stoppen“, sagte sie, denn noch immer fuhren Autos an ihnen vorbei. Und die dämlichen Fahrer verlangsamten tatsächlich das Tempo, weil sie sehen wollten, was los war.

„Hier gibt’s nichts zu sehen. Die Bombe kann jederzeit hochgehen“, brüllte Cori. Ihre Stimme war schon ganz heiser.

Hatte sie den Polizisten schon fotografiert?

Der sprach gerade in sein Funkgerät, wobei er sich einmal um die eigene Achse drehte und versuchte, die Lage einzuschätzen.

Ein paar Schritte weiter zerrte das junge Mädchen am Tweedjackenärmel des Mannes, den Cori in Gedanken den Oberst nannte, und der stur an seinem Tisch sitzen geblieben war. „Bitte, Opa, komm schon.“ Sie war den Tränen nah. „Bitte, lass uns hier weggehen.“

„Alles Unsinn“, sagte er und schüttelt ihre Hand ab. „Wenn wir uns in Belfast auch wegen jeder Lappalie so angestellt hätten.“ Aus seiner Stimme sprach Verachtung. „Bei jedem herrenlosen Koffer und jeder vergessenen Einkaufstasche schreien alle gleich ‚Bombe‘. Was ist nur aus dem Königreich geworden?“ Misstrauisch sah er zu Cori hinüber, die einige Neugierige anbrüllte, die sich auf dem Bürgersteig vor dem Café versammelt hatten. „Sie ist ja auch noch da. Und macht dauernd Fotos. Bestimmt ist das ganze irgend so ein PR-Gag und wir sind morgen alle im Fernsehen. Die Jugend von heute.“ Erschöpft von seiner langen Rede führte er seine Teetasse zu Mund.

„Das ist kein Gag“, fauchte Cori. Sie schaute auf ihr Handy. „In drei Minuten fliegt hier alles in die Luft.“

Sie hatte eine Idee: „Vielleicht sind Sie ja lebensmüde. Aber wollen Sie wirklich das Leben Ihrer Enkelin riskieren?“

„Sie kann ja gehen“, sagte der Oberst und schaute Cori unter buschigen Augenbrauen missmutig an. Er wendete sich an das junge Mädchen: „Sieh zu, dass du weg kommst, Maddy. Am Ende bekomme ich noch Ärger mit deinen Eltern.“

Aber Maddy wich nicht von seiner Seite.

Dieser alte Trottel.

Der Polizist verstaute gerade sein Funkgerät, da kam einer seiner Kollegen herbeigeeilt. Er gehörte offensichtlich zu einer Sondereinheit, denn er trug eine andere Uniform in Grau und Schwarz sowie eine kugelsichere Weste.

„Sind Sie ein Bombenentschärfer?“, fragte Cori hoffnungsvoll.

„Nein, wir sind zum Schutz von Botschaften abgestellt. Ganz in der Nähe und einige von uns erhielten den Befehl, hier Unterstützung zu leisten.“

Tatsächlich sperrten seine Kollegen die Straße auf beiden Seiten ab.

Kurz entschlossen riss Cori die Pistole aus dem Halfter an seinem Gürtel. (Wie gut, dass er, anders als die normalen englischen Bobbys, eine Waffe trug.)

Sie richtete die Pistole auf den störrischen alten Mann und bewegte sich gleichzeitig von den Polizisten weg. Der Oberst schaute sie herausfordernd an. Sie nahm die Waffe in beide Hände, wie Leo es ihr beigebracht hatte, zielte einen Fuß breit neben dem Oberst auf den Boden und schoss. PENG!

Der Alte sprang einen halben Meter von seinem Stuhl in die Höhe. Dann griff er sich seinen Hut und seine Enkelin und ging erstaunlich schnellen Schrittes davon, ohne sich noch einmal umzuschauen.

(Fortsetzung folgt)

***

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