Sneak Peek: Das 1. Kapitel des 2. Cori-Stein-Thrillers (Teil 1)

Kapitel1kleinNoch bin ich dabei, das Manuskript zu überarbeiten, doch  ich möchte euch vorab schon einige Kostprobe von meinem neuen Cori-Stein-Thriller gönnen, zum Beispiel das erste, recht lange Kapitel.

Heute poste ich den ersten Teil von dreien (wie gesagt noch nicht ganz fertig überarbeitet, also evtl. mit zwei oder drei stilistischen oder Tipp-Fehlern).  Los geht’s:

1

„Weißt du, dass du einen total schlechten Einfluss auf mich hast?“, fragte Cori Stein ihren Begleiter. Stirnrunzelnd rührte sie in ihrem Cappuccino, bis die Schaumhaube nach und nach in sich zusammenfiel. Ihr Gegenüber sah ihr mit halb amüsierter, halb fassungsloser Miene zu.

„He, hörst du überhaupt, was ich sage, Leo? Ich habe jetzt schon zwei Tage nicht mehr an meinem Buch gearbeitet.“

„Und was ist daran so schlimm? Schau dich um: Es ist Juli, die Sonne scheint, du sitzt in einem der schönsten Straßencafés Londons. Entspann dich.“ Genüsslich biss Leo Rivenhall ein kleines Stück von seinem Scone ab, das er zuvor liebevoll mit Rahm und Guavenmarmelade bestrichen hatte.

„Weißt du, dass eines der ersten deutschen Wörter, die ich gelernt habe, arbeiten war?“, fragte er. „Ein anderes war übrigens Kartoffel.“

„Ja, ja, sehr witzig.“ Cori trank einen Schluck von ihrem Cappuccino. Er schmeckte wunderbar. „Und von wem hast du diese Wörter gelernt?“, fragte sie.

„Von unserem Au-pair-Mädchen((stimmt so)) Susanne.“ Er nahm ihre Linke in seine Hände, beugte sich vor und küsste spielerisch ihre Fingerspitzen. Dann sagte er lächelnd: „Es ist zwar schmeichelhaft, dass du sagst, ich hätte Einfluss auf dich und dazu auch noch einen schlechten. Aber du weißt so gut wie ich, meine Liebe, dass du immer nur genau das tust, was du willst.“

Auch wieder wahr. Geistesabwesend biss sie in ihr Scone. Sie hatte sich nicht die Mühe gemacht, es mit einer der drei Marmeladen, die in kleinen Keramiktöpfen zwischen ihnen auf dem Tischchen standen, oder dem Rahm oder auch nur mit Butter zu bestreichen. Ihr Buch sollte auf Recherchen der letzten Wochen und Monate beruhen und sich um die Ereignisse drehen, bei denen sie Leo kennengelernt hatte. Vieles davon hatte sie in einer Reihe von Artikeln für die Zeitschrift KIOSK geschildert, die ganz schön Furore gemacht hatten. Jetzt das alles, wenn auch mit Ergänzungen, noch einmal aufzuwärmen, langweilte sie, wenn sie ehrlich war. Wie viel lieber würde sie sich in neue Abenteuer stürzen.

„Hm, lecker. Diese Scones schmecken irgendwie … anders“, sagte sie, um das Thema zu wechseln.

„Das macht der Ingwer.“

„Ungewohnt, aber nicht schlecht.“ Sie biss ein großes Stück ab und sagte, während ihr einige Krümel aus dem Mund fielen: „Sogar alles andere als schlecht.“

„Hast du noch nie Ingwer gegessen?“

Cori zuckte die Achseln. Hatte sie? Schwer zu sagen.

Leo seufzte betont dramatisch. „Du bist eine tolle Frau und du weißt, ich liebe dich, aber was gutes Essen angeht, musst du noch eine Menge lernen.“

„Ja, und mir das beizubringen, macht dir natürlich ü-ber-haupt keinen Spaß, du Armer.“

Abrupt wandte Leo sich von ihr ab. Im nächsten Moment verstand sie, warum. Ein junger Mann und eine junge Frau (Japaner, denn sie sagten mehrmals hai, was, wie Cori wusste, ja bedeutete) hatten begonnen, sich gegenseitig an einem der Cafétische sitzend zu fotografieren. Leo hasste es, wenn man Fotos von ihm machte, ganz gleich ob absichtlich oder zufällig.

Hinter Cori raschelte etwas. Unwillkürlich drehte sie sich um. Ach so. Am Tisch hinter ihnen hatte ein langhaariger, bärtiger Mann mit einer tief in die Stirn gezogenen Kappe Platz genommen und eine Plastiktüte neben sich auf dem Boden abgestellt. Ziemlich viel los auf der Terrasse des Cafés. Kein Wunder bei dem strahlenden Sonnenschein. Es war natürlich Leo, der diesen Ort mit dem angenehmen Ambiente und den kulinarischen Genüssen für ihr regelmäßiges spätes Frühstück hier in London ausgewählt hatte.

Cori schaute wieder nach vorn und stellte amüsiert fest, dass Leo weiterhin die Rückwand des Cafés studierte. Aha, jetzt setzte sich das japanische junge Mädchen zu seinem Freund oder Mann. Offensichtlich hatte sie einen Passanten gebeten, ein Foto von ihnen gemeinsam zu machen. Oh, diese Touristen. Sie machten Leo, der unerkannt und undokumentiert bleiben wollte, das Leben schwer. Genau wie die in London allgegenwärtigen Überwachungskameras.

Aus der riesigen Umhängetasche der Japanerin ragten die Krücke eines Regenschirms und circa zwanzig Zentimeter der dunkelblauen Bespannung hervor. Um ein Haar hätte sie damit beim Hinsetzen die Teekanne vom Nebentisch gefegt. Der ältere Herr, der dort saß, – mit seiner Tochter? Enkelin? Doch wohl nicht Freundin? – der ältere Herr also, mit einem grauen Bürstenschnurrbart, Typ britischer Oberst, hielt die Kanne fest und schaute böse zu der Japanerin hinüber. Die merkte nichts, legte ihren Arm um ihren Schatz und lächelte.

Die Welt war ein Theater mit vielen kleinen und großen Dramen auf dem Spielplan. Cori grinste und verspeiste genüsslich den letzten Bissen ihres Ingwerscones.

Endlich war die Fotosession beendet und Leo wandte sich wieder zu ihr um. Der Mann, der sich gerade erst an den Tisch hinter ihnen gesetzt hatte, hatte offenbar die Geduld verloren und machte sich wieder auf den Weg. Die Bedienung hier draußen, soweit Cori sehen konnte, war es nur ein einziger Kellner, hatte alle Hände voll zu tun. Kein Wunder, dass er so dünn war.

Hatte Leo etwas gesagt? Es fiel ihr schwer, sich auf seine Worte zu konzentrieren. Irgendetwas störte sie. Wenn sie nur wüsste, was. Der Kellner? Nein. Aber was dann? Sie schaute sich um.

„Du hast es auch bemerkt?“, fragte Leo in ihre Gedanken hinein.

Im selben Moment wurde Cori bewusst, was ihr keine Ruhe gelassen hatte.

Der Mann, der an dem Tisch hinter ihnen gesessen hatte, der bärtige Langhaarige mit der Kappe, die sein Gesicht zur Hälfte verdeckte, hatte seine Einkaufstasche vergessen. Oder hatte er sie absichtlich unter dem Tisch stehen lassen?

Leo war ihr schon einen Schritt voraus. Er war aufgesprungen und beugte sich über die oben offene Plastiktüte.

„Fuck. Me“, stieß er hervor und seine Stimme verriet Entsetzen.

Trotzdem konnte Cori nicht widerstehen. „Jetzt?“, fragte sie und zog die Augenbrauen hoch.

Den Bruchteil einer Sekunde lang grinsten die beiden sich. Dann deutete er in die Plastiktüte.

Cori schaute hinein. Was sie sah, war das, was sie erwartet hatte, und doch nahm es ihr den Atem. Eine Box und darauf eine Digitalanzeige, die einem Handy ähnelte und herunterzählte: 06:25, 06:24, 06:23.

Vorsichtig schob Leo die Klinge seines Taschenmessers in den Spalt zwischen der Wand der schwarzen Box und ihrer Abdeckung. Ein paar Zentimeter von dort, wo sich zwei Drähte von dem handyähnlichen Gerät ins Innere des Kastens schlängelten.

Cori hielt die Luft an. War das wirklich eine gute Idee? Aber sie vertraute darauf, dass Leo wusste, was er tat.

Vorsichtig drehte er die Klinge ein wenig und erweiterte so den Spalt.

Zwischen der schwarzen Wand und dem Deckel schimmerte es ziegelrot.

„Semtex“, flüsterte Leo.

(Fortsetzung folgt.)

***

Ingwerscones - allerdings nicht aus einem Londoner Café, sondern selbst gebacken

Ingwerscones – allerdings nicht aus einem Londoner Café, sondern selbst gebacken

Im vorigen Post gab es diesen Sneak Peek: die 99. Seite meines zweiten Cori-Stein-Thrillers.

Bei Pinterest findet ihr außerdem einige Zitate aus dem Buch sowie Fotos, die mich inspiriert haben und/oder die einzelne Orte, Speisen usw. illustrieren.

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