Kostenloser Kurzkrimi Nr. 1: UNAUFFINDBAR

Ab heute werden Sie hier im Blog hin und wieder und in loser Folge einen meiner Kurzkrimis als kleine Lektüre für zwischendurch finden. Viel Spaß!

UNAUFFINDBAR

So weit war alles gut gegangen. Der Überfall war abgelaufen wie am Schnürchen. Die Info, die Hans – kein Nachname, nur eine Handynummer – ihm über die Bank geliefert hatte, war einwandfrei.

„Bring eine Schreckschusspistole, das reicht“, hatte Hans gesagt.

Von Polizei war weit und breit nichts zu sehen und zu hören. Überhaupt war wenig los auf der Landstraße, die sich durch die Hügel mit Wiesen und kleinen Wäldern schlängelte. Ein wenig beunruhigte ihn der Volvo, der ihm jetzt schon seit fünf Minuten folgte. Marke Familienkutsche, mit einer Frau am Steuer. Vermutlich harmlos. Um sich abzulenken, schaltete er das Radio ein.

Er fand einen regionalen Sender, der die Nachricht vom inzwischen fünften Überfall dieser Art innerhalb eines Jahres in der Eifel verkündete. Obwohl die Täter maskiert waren, konnte man auf den Bildern der Überwachungskameras doch erkennen, dass es sich um verschiedene Personen handelte. Von den Tätern und ihrer Beute fehlte bisher jede Spur. Die Polizei tippte auf eine Bande aus dem Ausland.

Er setzte den Blinker und lenkte das Auto in einen Feldweg. Der Volvo fuhr vorbei. Er wartete, bis der Wagen außer Sichtweite war, dann stieß er zurück auf die Landstraße und setzte die Fahrt fort.

Nicht mehr weit bis zum Treffpunkt. Er schaute auf die Uhr. Alles im grünen Bereich. Der Volvo blieb verschwunden.

Hans wartete wie verabredet am Ende der Schotterstraße vor einem Holztor in der Felswand. Mit seiner Brille, kurzem grauem Haar und einer braunen Cordhose sah er aus wie ein Beamter.

„Ist dir jemand gefolgt?“

„Nein.“ Die Frau im Volvo zu erwähnen, hielt er für unnötig.

Hans grinste. Er grinste immer noch, als sie Motorengeräusche hörten und ein in Silbermetallic lackierter BMW auf sie zukam.

„Wer ist das?“ Der Bankräuber verbarg die Plastiktüte mit den Geldscheinen hinter seinem Rücken, zog seine Baseballkappe tiefer in die Stirn und blickte misstrauisch zu den Ankömmlingen hinüber.

„Entspann dich. Das sind nur die Leute, die deinen Wagen entsorgen.“

Tatsächlich sprangen zwei Männer aus dem BMW, winkten ihnen zu und machten sich daran, die Nummernschilder am Fluchtauto auszutauschen. Dann waren sie und die beiden Autos auch schon verschwunden.

„Komm.“ Hans schloss die Holztür auf und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Wir müssen dich verstecken. Für ein paar Tage wenigstens. Hier seid ihr sicher, das Geld und du. Wir teilen später.“

Ohne das Schild, das Unbefugten den Zutritt verbot, zu beachten, betraten sie den mannshohen, gemauerten Gang. Hans hatte hier als Gutachter gearbeitet, nachdem Kinder hinter allerlei Gestrüpp eine Öffnung im Fels und den Gang dahinter entdeckt hatten. In dem mittelalterlichen Tunnel verliefen früher einmal Rohre durch den Berg, für die Wasserversorgung. Ähnlich wie beim Tiergartentunnel von Blankenheim. Hans erzählte ihm, dass er absichtlich einen Seitenarm für einsturzgefährdet erklärt hatte. Als ganz private Rückzugsmöglichkeit.

Hans ging mit seiner Taschenlampe voraus. Nach kurzer Zeit blieb er stehen. Er entfernte einige Bretter aus einer Absperrung in der Mauer und leuchtete in den Stollen dahinter.

„Hier findet dich niemand. Garantiert.“

Der Lichtkegel der Taschenlampe glitt über die Wände und ruhte für einen Moment auf vier dicht in Plastikplanen verpackten, länglichen Bündeln, die auf dem Boden lagen.

Ehe er sie genauer betrachten konnte, waren sie in der Dunkelheit verschwunden, denn Hans hatte die Taschenlampe beiseitegelegt.

Etwas raschelte unter seinen Füßen.

Eine Plane.

Gut.

Blitzschnell machte er einen Schritt vorwärts, drehte sich um und feuerte mit der Pistole auf den Schatten, der beide Hände hoch erhoben hatte.

Aus der Tüte mit dem Geld nahm er Handschuhe und zog sie an. Dann verpackte er Hans, der noch immer die Drahtenden umklammert hielt, in seiner eigenen Plastikplane und legte ihn zu den anderen. Er brauchte nicht lange zu suchen, bis er den Rucksack mit der Beute aus den früheren Überfällen gefunden hatte.

Ehe er scheinbar zufällig mit Hans ins Gespräch kam, hatte er ihn schon eine Weile in den einschlägigen Kneipen in Köln beobachtet. Und die Nachrichten über die Banküberfälle verfolgt.

Erst hatte er noch länger warten wollen. Aber bei einem Amateur bestand immer die Gefahr, dass er irgendwann aufflog. Selbst wenn er über ein todsicheres Versteck verfügte.

Sorgfältig platzierte er die Bretter wieder in der Absperrung.

Er lächelte. Dann sagte er im selben Tonfall wie Hans: „Hier findet dich niemand. Garantiert.“

Wer sich dafür interessiert, kann diese Version mit der früheren auf meiner Website vergleichen: Unauffindbar. Kleiner Hinweis: Ich habe nur an den allerletzten Sätzen etwas gefeilt.

Es ist wohl eine Autorenkrankheit. Jedes Mal, wenn ich mir einen älteren Text anschaue, finde ich etwas, das mir so nicht mehr gefällt. (In diesem Fall das Verb „nachäffen“ in der älteren Fassung.)

Aber zurück zum Wesentlichen: Den Kurzkrimi „Unauffindbar“ und 19 weitere finden Sie in meinem Buch SHOWDOWN IN WOHLGELEGEN – zum Selberlesen nund Verschenken und erhältlich im Buchhandel oder bei Amazon:

Alle meine bisher erschienen Anja Zenk-Kurzkrimis sowie diejenigen mit dem gewitzten Kommissar Kolm (also sozusagen mit Serienfiguren)  finden Sie in diesem Sammelband:

DieDetektivinundderKommissarWenn Ihnen der Sinn nach einer längeren Geschichte steht, empfehle ich Ihnen meinen Thriller „Ohne Skrupel“:

oder meinen Kurzroman „Nicht von gestern“:

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Sie sehen, es gibt für jeden etwas 😉

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