Sneak Peek: NICHT VON GESTERN

Ich überarbeite gerade meine Krimikomödien-Novelle NICHT VON GESTERN. Die ersten vier Kapitel sind geschafft. Doch wenn ich durch bin, geht das Manuskript erst noch zu einer Betaleserin zur „Qualitätskontrolle“. Ein wenig dauert es also noch, bis das Büchlein erscheint.

Vor einiger Zeit  hatte ich ja schon ein paar Informationen gepostet. Und jetzt habe ich mir gedacht: Was eignet sich besser, den Leser-Appetit anzuregen, als eine kleine Kostprobe?

Gesagt, getan. Hier sind das überarbeitete Vorwort und das erste Kapitel von NICHT VON GESTERN in einer Weltpremiere. Viel Spaß.

VORWORT

Dieser Kurzroman ist ein Experiment, denn ich habe die Geschichte zunächst als Drehbuch geschrieben. Als ich dieses mehreren Fernsehredaktionen und Produktionsfirmen anbot, bekam ich jedoch nur Absagen – mal mit ermutigenden Worten („Ebenfalls überzeugten mich die Dialoge und die witzige Gestaltung gewisser Szenen … Allerdings hat [Name der Firma] vor ein paar Jahren einen Stoff mit ähnlichem Thema bereits umgesetzt …“), mal ohne.

Schließlich machte ich mich daran, bei einem Drehbuch-Workshop aus der Story ein Serienkonzept zu entwickeln. Nur um zu erfahren, dass am Montag nach diesem Workshop (wenn ich mich recht erinnere, jedenfalls praktisch gleichzeitig) die Sat.1-Serie „Der letzte Bulle“ starten würde. Warum war das schlimm? Weil dort die Hauptperson, wie in meiner Geschichte und in der der oben (nicht) genannten Firma, nach Jahren aus dem Koma erwacht.

Zwar war die übrige Handlung völlig anders, aber die zentrale Idee war dieselbe. Ich konnte mich einerseits freuen, einen guten Riecher gehabt zu haben, aber beim Fernsehen war meine Geschichte nicht mehr unterzubringen. Ich legte das Projekt zu den Akten. Schade.

Nun spule ich ein paar Jahre vor: Plötzlich ist es ganz einfach für Autoren, Bücher selbst zu veröffentlichen und auszuprobieren, ob sich Menschen finden, die die Hauptpersonen und ihre Abenteuer mögen. Niemand muss mehr die Zustimmung von Verlagen abwarten. Das heißt, Schreiber wie ich können Lesern auch ungewöhnliche Storys anbieten, wie „Nicht von gestern“, das als Drehbuch begann.

Ungewöhnlich ist diese Geschichte, weil sie von der Länge her zwischen einer Kurzgeschichte und einem Roman angesiedelt ist – am besten trifft es die altmodisch anmutende Bezeichnung Novelle*. Ungewöhnlich ist die Geschichte aber vor allem, weil ich versucht habe, den filmischen Charakter zu bewahren. Ich habe sie in der Gegenwartsform geschrieben und so, dass Sie als Leser alle Handlungen „von außen“ betrachten, also nicht erfahren, was in den Köpfen der einzelnen Personen vor sich geht – wie bei einem Film.

Ich möchte damit erreichen, dass beim Lesen vor Ihrem inneren Auge eine Krimikomödie abläuft, wie ich sie mir ursprünglich beim Schreiben erträumt habe. Wenn Sie mögen, mit Schauspielern Ihrer Wahl. Viel Spaß und: Film ab fürs Kopfkino !

*Der englische Schriftsteller Ian McEwan sieht in einem Artikel, den er für die Zeitschrift The New Yorker geschrieben hat, übrigens eine „starke Ähnlichkeit“ zwischen Drehbüchern und Novellen.

1. KAPITEL

Eine Klinik in einer Stadt irgendwo im Ruhrgebiet.

In einem der Krankenzimmer fragt eine Frauenstimme: „Fertig?“

Eine Hand mit Handy schiebt sich ins Bild.

„Sag Ameisenscheiße.“

KLICK. Auf dem Display des Handys erscheinen: Carola strahlend, Vanessa zaghaft lächelnd. Ein wenig wie das berühmte Polaroid-Foto von Thelma und Louise.

Vanessa van Alt ist etwa über 20, trägt eine altmodische Brille und sitzt im Rollstuhl.

Carola Giovane (Anfang 40) ist sehr jugendlich gestylt und steht hinter dem Rollstuhl. Sie steckt das Handy in die Tasche, umfasst die Handgriffe des Rollstuhls und schiebt ihn zur Tür. Dabei ruft sie: „Ladies and Gentlemen, fasten your seatbelts.“

Sie öffnet die Tür des Krankenzimmers und los geht‘s im Laufschritt.

Im Flur treffen sie auf Dr. Raimund Berger, einen jungen, gutaussehenden, dynamischen Arzt.

„Hallo, Dr. Berger“, ruft Carola. „Alles im Lot auf dem Boot? Heute schon Leben gerettet?“

Sie umkreist ihn mit dem Rollstuhl.

Vanessa, die aussieht, als ob ihr gleich übel wird, flüstert: „Guten Tag.“

„Sieh an, unsere beiden Prominenten“, sagt Berger, als er sich von dem ungewohnten Anblick erholt hat. „Was haben Sie denn heute vor?“

„Och, nichts Besonderes“, sagt Carola, während sie Vanessas Rollstuhl vor- und zurückbewegt wie einen Kinderwagen mit einem gerade einschlafenden Baby.

„Wie schön“, sagt Berger geistesabwesend.

„Oder gibt‘s noch jemanden zu erwecken?“, will Carola wissen.

Aber Berger ist schon weitergeeilt. Versonnen blickt Carola ihm nach.

„Wow, wenn Kevin Costner ‘ne 10 ist, ist der mindestens ‘ne 9,5.“

Der Pfleger Jens Held, Mitte bis Ende 20, groß und schlaksig, kommt den Flur entlang, entdeckt die beiden Frauen und gesellt sich zu ihnen.

„Frau van Alt, geht es Ihnen besser?“, fragt er und beugt sich zu Vanessa hinunter. Dann schaut er Carola streng an und sagt: „Frau Giovane, ich weiß nicht, ob das eine gute Idee …“

Doch Carola unterbricht ihn: „Vanessa, Caro. Seien Sie nicht so förmlich, Jens.“

Und dann schiebt sie den Rollstuhl an, denn sie hat ein neues Ziel ins Auge gefasst. Der Pfleger blickt ihnen nach, teils besorgt, teils verärgert.

„Ist das dahinten nicht dein Bruder?“, fragte Carola Vanessa und ruft dann: „Hallo-oo, Herr van A-aalt.“

Sie winkt mit der Rechten und der Rollstuhl kippt bedenklich zur Seite.

„Hoppla.“ Schnell umfasst Carola den zweiten Griff wieder und stabilisiert den Rollstuhl, während Vanessa etwas blass um die Nase wird und sich an den Armlehnen festklammert.

Inzwischen ist Roger aus ihrem Blickfeld entschwunden.

„Weg isser. Na, egal”, sagt Carola und zuckt die Achseln. „Wo möchtest du jetzt hin?“

Von der Decke hängen Schilder mit Aufschriften wie „Orthopädie“ und „Spezialambulanzen“. Schwungvoll biegt Carola um eine Ecke. Eine Tür auf der linken Seite mit dem Schild „Schlaf-EEG“ steht ein wenig offen.

„Schlaf-EEG“, murmelt Vanessa. „Was bedeutet das wohl?“

„Schauen wir doch nach“, schlägt Carola vor und klopft. Die Tür öffnet sich noch ein Stück weiter.

„Also ich weiß nicht“, meint Vanessa.

Nachdem niemand antwortet, beschließt Carola zu handeln. Sie stößt die Tür auf.

„Ta-daa“, ruft sie und hält die Tür einladend geöffnet.

Im Inneren des Raums befinden sich mehrere Betten, jeweils mit Messapparaturen und Computern.

„Keiner da“, sagt Carola. „Entspann dich.“

Vanessa will Carola etwas mitteilen, doch ihre Stimme versagt. Stumm deutet sie nach rechts.

Auf dem Boden vor einem Bett liegt ein zerbrochener PC-Monitor und daneben, auf dem Bauch, ein Mann mittleren Alters.

„Oh, äh. Entschuldigung“, stammelt Carola verblüfft. „Suchen Sie was?“

Während Vanessa hervorstößt: „Der schöne Monitor.“

Carola schiebt den Rollstuhl näher an den am Boden Liegenden heran. Erst da erkennen sie eine blutige Wunde an der von ihnen abgewandten Seite des Kopfes.

„Ach du heiliges Kanonenrohr“, entfährt es Vanessa. „Das ist Herr Soll.“

Na? Neugierig, wie’s weitergeht? Und was das alles überhaupt zu bedeuten hat? Im zweiten Kapitel wird so manches klarer. Mal sehen, vielleicht gibt es das demnächst an dieser Stelle 😉 Nachtrag: Und zwar in diesem Post: NICHT VON GESTERN – ein Kapitel gibt’s noch.

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