Ein Buch wie ein Film?

Während ich für meinen zweiten Thriller recherchiere und die Handlungsstränge entwerfe und verflechte (ich weiß: das dauert), versuche ich gleichzeitig an anderen, kleineren Krimiprojekten zu arbeiten. So entstanden der neue Kommissar Kolm-Kurzkrimi Unrecht Gut, der neue Anja Zenk-Kurzkrimi Tatort Teufelsbrücke und schließlich die Sammlung Die Detektivin und der Kommissar.

Jetzt habe ich ein älteres Manuskript hervorgeholt, und zwar ein Drehbuch für eine TV-Krimikomödie, und bin dabei, es in einen Roman umzuwandeln. Das Vorwort ist bereits fertig und weil ich darin erkläre, worum es geht, bekommen Sie es hier schon einmal, sozusagen als Vorabdruck, zu lesen:

Vorwort zu NICHT VON GESTERN

Dieser Roman ist ein Experiment, denn ich habe die Geschichte zunächst als Drehbuch geschrieben. Als ich es mehreren Fernsehredaktionen und Produktionsfirmen anbot, bekam ich jedoch nur Absagen – mal mit ermutigenden Worten („… Ebenfalls überzeugten mich die Dialoge und die witzige Gestaltung gewisser Szenen … Allerdings hat [Name der Firma] vor ein paar Jahren einen Stoff mit ähnlichem Thema bereits umgesetzt …“), mal ohne.

Schließlich machte ich mich daran, bei einem Drehbuch-Workshop aus der Story ein Serienkonzept zu entwickeln. Nur um zu erfahren, dass am Montag nach diesem Workshop (wenn ich mich recht erinnere, jedenfalls praktisch gleichzeitig) die Sat.1-Serie „Der letzte Bulle“ starten würde. Warum war das schlimm? Weil dort die Hauptperson, wie in meiner Geschichte und in der der oben (nicht) genannten Firma, nach Jahren aus dem Koma erwacht.

Zwar war die übrige Handlung völlig anders, aber die zentrale Idee war dieselbe. Ich konnte mich einerseits freuen, einen guten Riecher gehabt zu haben, aber beim Fernsehen war meine Geschichte nicht mehr unterzubringen. Ich legte das Projekt zu den Akten. Schade.

Nun spule ich ein paar Jahre vor: Plötzlich ist es ganz einfach für Autoren, Bücher selbst zu veröffentlichen und auszuprobieren, ob sich Menschen finden, die die Hauptpersonen und ihre Abenteuer mögen. Niemand muss mehr die Zustimmung von Verlagen abwarten. Das heißt, Schreiber wie ich können Lesern auch ungewöhnliche Storys anbieten, wie „Nicht von gestern“, das als Drehbuch begann.

Ungewöhnlich ist diese Geschichte nämlich, weil ich versucht habe, den filmischen Charakter zu bewahren. Ich habe sie in der Gegenwartsform geschrieben und so, dass Sie als Leser alle Handlungen „von außen“ betrachten, also nicht erfahren, was in den Köpfen der einzelnen Personen vor sich geht – wie in einem (Fernseh)Film.

Ich möchte damit erreichen, dass beim Lesen vor Ihrem inneren Auge die Krimikomödie abläuft, so wie ich sie mir ursprünglich beim Schreiben erträumt habe. Wenn Sie mögen mit Schauspielern Ihrer Wahl. Viel Spaß!

Auf die Idee für dieses Projekt hat mich das E-Book eines amerikanischen Autors gebracht. Lee Goldberg schreibt nicht nur Romane, etwa Bücher zur Fernsehserie „Monk“, sondern auch Drehbücher für solche TV-Serien. Außerdem hat er vor einiger Zeit das Drehbuch für die Pilotfolge einer eigenen Serie verfasst. Weil sich kein Sender dafür begeistern konnte, wurde dann doch nichts daraus. Aber als Lee Goldberg unter die Indie-Autoren ging, hat er daraus einen Roman gemacht: McGrave.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich fand das Ergebnis so gelungen, dass ich dachte: Das versuche ich auch mal. Jetzt muss ich das Buch nur noch (um)schreiben 🙂

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