„Jede Fälschung von Medikamenten ist ein versuchter Massenmord“

In diesem Post möchte ich etwas über den Hintergrund meines Thrillers OHNE SKRUPEL verraten. Über die Fakten, auf die ich bei meinen Recherchen als Journalistin gestoßen bin und die mich zum Schreiben meines Romans angeregt (und die mich aufgeregt) haben.

(Ergänzung vom 16.10.2012: Lesen Sie zu diesem Thema auch meinen Artikel Tödliche Imitate in Bild der Wissenschaft.)

Darum geht es nämlich: um gefälschte Medikamente und die Menschen, die damit v. a. in der Dritten Welt kriminelle Geschäfte machen. Das Zitat aus dem Titel dieses Posts stammt vom damaligen Industriekommissar und EU-Kommissions-Vizepräsident Günter Verheugen, der Ende 2009 mit WELT ONLINE über dieses Thema gesprochen hat.

Hier einige Fakten mit Quellen zum Weiterlesen:

In den Entwicklungsländern, wo eine behördliche Medikamentenüberwachung nur geringfügig oder überhaupt nicht vorhanden ist, könnten etwa 10 bis 30 Prozent der Medikamente gefälscht sein. Insbesondere Malariamittel stellten für Fälscher ein lohnendes Ziel dar, und Fälschungen haben den Markt vieler asiatischer Länder überflutet.

So steht es in einer Pressemitteilung zu einem Artikel des Fachzeitschrift The Lancet.

Doch das Problem betrifft nicht nur Malariamittel und nicht nur Asien. Auf der Website der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann man in einem Fact sheet nachlesen:

  • Gefälschte Medikamente können z. B. zu wenig oder zu viel Wirkstoff oder auch gar keinen enthalten. Es können sich darin andere wirkungslose oder schädliche Substanzen finden.
  • Die Imitate können zum Versagen der Behandlung führen und damit u. U. zum Tod des Patienten.
  • Alle Arten von Medikamenten werden gefälscht, Marken- und generische Präparate, billige und teure.
  • Betroffen sind v. a. Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika, und zwar solche, wo eine entsprechende Kontrolle der Arzneimittelqualität schwach ist.
  • Und es ist schwer, an genaue Zahlen heranzukommen.

In einem wissenschaftlichen Übersichtsartikel habe ich folgende Angaben gefunden:

In a WHO survey of seven African countries, 20% to 90% of antimalarial drugs failed quality testing.

sowie diese Zusammenfassung:

There is growing universal concern regarding counterfeit medications. In particular, counterfeit antimicrobial drugs are a threat to public health with many devastating consequences for patients; increased mortality and morbidity and emergence of drug resistance.

Auch das ist nämlich ein Problem: Wenn Patienten eine zu niedrige Dosis eines Antibiotikums oder eines Antimalariamittels erhalten, können die Erreger resistent, also unempfindlich werden, so dass die entsprechenden echten Medikamente bei ihnen nicht mehr wirken.

Weiter steht in dem Artikel u. a.:

Much of the counterfeit drug trade is probably linked to organized crime, corruption, the narcotics trade, the business interests of unscrupulous politicians and unregulated pharmaceutical companies…

A wide range of antibacterial agents have been found to be substandard or fake … Although no part of the world is exempted, southeast Asia and Africa seem to be particularly plagued by counterfeited antibacterial agents. Especially ‘old’ antibiotics, such as penicillin, tetracycline, trimethoprim–sulfamethoxazole and chloramphenicol, are among the favoured counterfeited antimicrobials…

Fake pharmaceuticals often have the same appearance as the brand name and generic drugs they mimic. They are generally indistinguishable in their outward packaging, and pill colour, shape, size and markings; they even have electronic bar codes, which pharmacists scan to verify drug authenticity.

(Nachtrag vom 14.11.11: Hier noch ein Zitat, das ich gerade im Deutschen Ärzteblatt gefunden habe:

„Die Gewinnspannen beim Handel mit gefälschten Arzneimitteln liegen weltweit höher als beim Rauschgift-, Waffen- oder Zigarettenhandel, Gewinne von mehr als 1.000 Prozent sind keine Seltenheit“ sagte der Sprecher des Zollkriminalamts, Wolfgang Schmitz, auf dem „1. Berliner Informationsforum Arzneimittelfälschung“ heute in Berlin.

Ende des Nachtrag.)

Von all diesen Dingen hatte ich keine Ahnung, bevor ich vor ein paar Jahren zufällig etwas darüber las. Das Thema ließ mir keine Ruhe, ich recherchierte weiter und mit der Zeit keimte in mir die Idee für einen internationalen Thriller, sprich: für OHNE SKRUPEL.

In einem Roman muss man als Autor natürlich einiges vereinfachen, überspitzen und dramatisieren. Für alle, die sich noch weiter mit den tatsächlichen Hintergründen beschäftigen möchten, hier aus dem reichhaltigen Fundus meiner Recherche noch einige Linktipps:

The Global Threat of Counterfeit Drugs: Why Industry and Governments Must Communicate the Dangers – ein weiterer Artikel von Wissenschaftlern

The Safety Gap – ein New York Times-Artikel über die Lage in China, einem Land, in dem viele echte und viele gefälschte Medikamente produziert werden

Die Pillenmafia – ein aktueller Artikel aus der Frankfurter Rundschau, der den Bogen nach Deutschland schlägt

Und schließlich für immer neue, aktuelle Informationen: die Website des Global Pharma Health Funds e.V. (GPHF) und dort speziell die aktuellen Meldungen. Besonders interessant und lobenswert: Das GPHF-Minilab®. Oder Sie machen es wie ich und folgen Dr. Richard Jähnke vom GPHF bei Twitter: @GPHF.

Und wenn Sie jetzt neugierig sind, was das alles mit der Geschichte in meinem Thriller zu hat, kaufen Sie sich am besten gleich das EBook:
Sie zögern noch? Dann lesen Sie weitere Informationen zu meinem Thriller hier oder machen Sie den Test mit einer Leseprobe.

OHNE SKRUPEL - 2500

Ergänzung vom 6.12.2011: In Wired gibt es einen interessanten, aktuellen Artikel, der zeigt, dass das Problem auch vor Europa nicht halt macht: How investigators unravelled Europe’s biggest-ever fake-medicine scam. Über meine Gedanken dazu habe ich bei Google+ geschrieben.

Ergänzung vom 27.12.2011: Dieser Artikel aus der Zeitschrift Analytical Chemistry (pdf) liefert weitere Hintergrundinformationen.

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